Am Dienstag sollte es dann endlich soweit sein. Der Mechaniker meinte, dass das Auto sicherlich bis um 10 Uhr morgens fertig sei. Insgeheim dachte ich mir allerdings schon, dass ich die Zeitangaben der Kiwis nicht so ernst nehmen sollte. Mit dieser Annahme behielt ich leider auch Recht.
Ich checkte aus meinem Hostel aus und ging zur Werkstatt, wo die Reparaturen allerdings noch in vollem Gange waren. Es hieß ich solle mal in drei Stunden wiederkommen. Ich nutze diese Zeit um noch in einem Supermarkt einzukaufen und dem Treiben auf dem Containerhafen von Auckland zuzusehen.
Als ich dann nach drei Stunden wieder zurück zur Werkstatt ging, waren die Reparaturen immer noch nicht fertig. Ich musste nochmal warten und lernte während dessen einen anderen Backpacker aus Deutschland kennen. Von ihm bekam ich einige Tipps und er verkaufte mir auch einen Adapter, mit dem ich Elektrogeräte auch im Auto laden kann.
Eigentlich hatte ich ja vor Auckland am Vormittag bei Tageslicht zu verlassen, schlussendlich kam ich allerdings erst so um ca. 5 Uhr Abends bei einsetzender Dämmerung los. Mein Plan war dann kurz zur nächsten Tankstelle zu fahren, denn der Tank war KOMPLETT leer. Anschliessend wollte ich dann sofort auf dem nächsten Highway möglichst weit nach Norden zu fahren. Aber es kam alles nochmals anders...
Es muss hier auch erwähnt werden, dass ich zuvor noch nie mit dem Auto gefahren bin und auch eine Einweisung in die Eigenarten des Autos habe ich nicht bekommen! Das Auto hat eine manuelle Schaltung, die allerdings links an der Lenksäule angebracht ist (ähnlich wie ein überdimensionierter Blinkgeber). Dazu herrscht hier ja natürlich Linksverkehr. Zusätzlich dazu haben die Neuseeländer noch eine eigenartige aber einleuchtende Vorfahrtsregel. Diese Regel besagt, dass an einer Kreuzung ein entgegenkommendes Fahrzeug das nach rechts abbiegen will Vorfahrt hat, wenn ich an der Kreuzung nach links will. Das leuchtet ein, man hat aber am Anfang so seine Schwierigkeiten damit.
Ich habe schließlich den Automarktbesitzer gefragt, ob er mir das Auto noch aus der wirklich sehr, sehr engen Einfahrt rausfahren kann. Natürlich hat er mir dabei geholfen, doch anstatt das Auto vor dem Gebäude zu parken, steigt er einfach mitten auf der Strasse aus. Bei laufendem Motor werde ich also ins kalte Wasser geschmissen und muss losfahren.
Ähnliche Situationen hat man hier jeden Tag. Doch dadurch lernt man auch unglaublich schnell dazu und kommt mit den Leuten in Kontakt! Man wird hier am Anfang wohl mindestens einmal täglich ins kalte Wasser geschmissen!
Nach einer kleineren Irrfahrt erreichte ich schließlich die ersehnte Tankstelle. Doch als ich tanken wollte trat schon das nächste Problem auf. Ich bekam den Tankdeckel nicht auf. Obwohl ich mir dachte, dass es da einen versteckten Hebel geben muss, habe ich diesen nicht gefunden. Nach ca. 30 Minuten habe ich dann aufgegeben und bin zurück zur Werkstatt gegangen (Die Tankstelle war zum Glück nur 5 Minuten von der Werkstatt entfernt). Auch hatte ich Glück, dass ich den Besitzer noch getroffen habe, denn dieser hatte schon seit einigen Minuten Feierabend. Kurzerhand ist er dann mitgekommen und hat mir den wirklich sehr versteckten Hebel zum öffnen der Tankklappe gezeigt.
Nach dem Volltanken fing das Problem allerdings erst richtig an. Ich wusste, dass ich Highway Nummer 1 nach Norden brauchte. Das Problem ist nur, dass ich Auckland nicht kenne, die vorher zurecht gelegte Route schon lange wieder vergessen hatte, Grade in dieser Zeit noch die Rush-Hour dazu kam und ich ausserdem noch mit neuen Verkehrsregeln und Linksverkehr zu kämpfen hatte. Einen Beifahrer zum checken der Strassensnamen hatte ich ja auch nicht und so sah das ganze so aus, dass ich mehr oder weniger ziellos die Strassen hin und her und im Kreis gefahren bin. Ich weiß auch nicht mehr wie, aber nach einer schier endlos scheinenden Zeit, zahlreichen – sicherlich berechtigten – Hupattacken und einem fast verursachten Unfall ;-) sah ich schließlich das so ersehnte Highway Schild vor mir. Sobald ich auf dem Highway war, ging das ganze auch schon wieder einfacher. Einfach immer geradeaus...
In Auckland ist der Highway bis zu 5 Spuren breit, wobei die Spuren allerdings deutlich schmaler sind als in Deutschland. Doch sobald man ein paar Kilometer fährt beginnt sich der Highway deutlich zu verkleinern. Schon an der Stadtgrenze sind es dann nur noch 2 Spuren, welche dann auch relativ schnell in eine Spur zusammen laufen. Der sogenannte Highway ist dann nichts weiter als eine Landstrasse in relativ schlechtem Zustand.
Da es mittlerweile ja schon dunkel war, habe ich bei der ersten Raststation angehalten und dort in meinem Auto geschlafen. Das ist der Vorteil von dem Van. Blöde nur, dass ich keine guten Bettsachen dabei hatte, Die Matratze, die schon im Auto lag. War übelst modrig und auch der Rest des Bettzeugs stank extrem! Naja da muss man wohl durch ;-)...